Paolo CALLERI: Druckgraphik

Der Ulmer Zeichner, Radierer und Karikaturist PAOLO CALLERI.

Von Florian L. Arnold M. A.

Schwer zu sagen, ob ein Künstler, der wie Paolo Calleri fernab oberflächlicher Themenbehandlung und kurzlebiger „Trends“ arbeitet, überhaupt auf dem glitschigen Pflaster des Kunstmarktes ankommen möchte. Sicher ist, daß ihm nicht daran gelegen ist, sich im Haifischbecken vermarktbarer Ideen zu tummeln. Dazu ist ihm das stetige Verfeinern seiner Kunst der feinen Zwischentöne zu wichtig. 1977 in Ulm geboren, zeigte er schon früh sein Talent fürs Zeichnen. Während andere Kinder Lego-Türme bauten, zeichnete der kleine Paolo auf alles, was ihm unter die Finger kam. Von da war es nicht weit zum Karikieren. Erste Vorbilder waren Wilhelm Busch, Honoré Daumier und die Karikaturisten des „Simplicissimus“. Durch das Studium der Kunstpädagogik und Volkskunde, mit dem ein großer Anteil praktischer künstlerischer Arbeit einherging, legte Calleri endgültig einen Schwerpunkt auf die Radierung, jene Kunst des Tiefdrucks, bei dem das Zeichnen mittels Metallnadel auf Metall stattfindet. Seine Motive verwirklicht Calleri mit einer Reife und Qualität, die einen weitaus älteren, seine Kunst seit Jahrzehnten verfeinernden Arbeiter vermuten ließe. Wohljustierte Ironie Seine Kunst läßt sich nicht mit dem schnellen Blick konsumieren; ebenso wenig schmeichelt sie sich zu Sitzgruppen oder Design-Möbeln. Sie funktioniert entgegen der gängigen Denkmuster. Calleris wohljustierte Mischung aus Ernst und Ironie, gezügeltem Sarkasmus und Humanismus schafft Bilder, die im intelligenten Spiel von Wort- und Bildbedeutung gern „heilige Kühe“ liebevoll schlachten. Zugleich laden die hintersinnigen Reflexionen über die Götter und Helden antiker griechischer Legenden zu einer Reflexion über die Zeit an sich ein. So berichtet uns der Künstler von Vergänglichkeit und Gegenwärtigkeit. Calleri legt Gedankengänge über die Teilhabe an der Gegenwart als Möglichkeit offen, an der Vergangenheit teilzunehmen. So folgt der Radierer nicht nur den längst ausgelegten Spuren antiker Sagenstoffe, sondern zieht selbst neue Spuren, erfindet sich die Legenden neu. Das alles wird mit so dezentem Strich, mit so viel – darf man sagen: Weisheit? – vorgetragen, daß sich hier der Terminus der „alten Seele“ anbietet. Vielleicht ist auch das eine „Qualifikation“ für den Beruf des Künstlers: Zurückgreifen zu können auf den Erfahrungs- und Wissensschatz vieler gelebter Existenzen.

Kunst gegen jede Erwartung

Einer Kunst, die ernst genommen werden will, die sich nicht beim kurzatmigen Verfolgen eines Trends entlarvt sehen will, darf es nicht genügen, knallige Werke zu kreieren, die im Revier abgegraster Kunststile wildern. Ein ernst zu nehmender Künstler muß das Scheitern und den Neuanfang riskieren. Und das braucht vor allem eines: Geduld und Zeit. Ersteres besitzt Paolo Calleri. Letzteres nimmt er sich. Nur so sind seine Grafiken denkbar, dieses lustvolle Gegen-den-Strich-Bürsten festgefahrener Rollenbilder, das so gekonnt antike Helden- und Mythenreiche in unsere Gegenwart mischt. Was auch immer der Betrachter bei einem bestimmten Stichwort erwarten mag – Paolos Interpretationen sind stets eigenwillig, stets dem Erwartbaren entgegengerichtet. Das macht seine Zeichnungen und Stiche – neben ihrer altmeisterlichen, an Horst Janssen und Wilhelm Busch gemahnenden Strichführung – zu grafischen Delikatessen ersten Ranges.

Originaltext hier

Paolo Calleri: Biographie

1977 in Ulm geboren

1997 Abitur am Schubart-Gymnasium in Ulm

1999 Karikaturenausstellung in Cassaro (SR) / Italien

seit 1999 zahlreiche Ausstellungen in Ulm, um Ulm und um Ulm herum, Italien

2006 Magisterabschluss an der Universität Augsburg

(Kunstpädagogik / Volkskunde / Medienpädagogik)

seit 2005 Mitglied der IKARUS-Gruppe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s