Georg FENKL

Ein schwäbischer Meister der magischen Realität

Betrachtet man die Gemälde Georg Fenkls, dieses schwäbischen Meisters der erzählenden magischen Realität, dann möchte man es glauben. Leben und Tod, das Reale und das Imaginäre, sie sind auch in der Fenkl’schen Kartografie nur Sonderfälle des Denkens, das um die Dimension des Traums, um die Manifestationen des Unbewussten, um die magische Dimension des „Irrationalen“ erweitert sind.

Diese Bilder fordern eine Haltung vom Betrachter. Sie fordern das Mitdenken und Mitfantasieren, sie fordern ein Durchstoßen der regulären Denkschichten, damit man vordringen kann zu all den feinen Details, die der Künstler hineingelegt hat. Sie fordern ein Sich-Einlassen. Denn hinter der fast schon meditativen Ruhe, die allen Fenkl-Bildern zu eigen ist, lauert so etwas wie eine Dissonanz, eine Ahnung eines schrecklichen Geheimnisses von jahrhundertealter Tragweite.

Die faszinierende Perspektive-Technik, die den Betrachter mit ihrer kaum entrinnbaren Tiefensogwirkung einfängt, zeigt uns zwar erkennbare Dinge wie Häuser, Plätze, Berge, Flüsse, Kähne, Stühle, Leitern, Gerüste, Messlatten, Rettungsringe – doch diese Relikte der realen Welt verharren in einer Landschaft, die ähnlich den verlassenen Stätten der südamerikanischen Hochkulturen nur noch von einer mysteriösen Stille, einer unheilvollen Spannung behaust werden.

Text: Florian L. Arnold

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Applaus für den Meister: „Fundstücke“ von Georg Fenkl im Vöhringer Kulturzentrum

Es hatte etwas von einem Popkonzert, als Georg Fenkl anlässlich seines 60. Geburtstags im
Vöhringer Eychmüller-Haus seine Ausstellung „Fundstücke“ eröffnete. Nichts ging mehr,
selbst auf den Treppen standen Gratulanten, (Künstler-)Kollegen und Schaulustige.
Bürgermeister Karl Janson begrüßte die Besucher gutgelaunt, sichtlich stolz auf den
Vöhringer Maler, der nicht nur Vöhringer Kunstbeirat und Vorsitzender des Kunstvereins
Senden ist, sondern international anerkannter Maler und Grafiker.

„Strandgut der Zeit“

Wolle er alle Auszeichnungen, Belobigungen und Ausstellungsbeteiligungen Fenkls
aufzählen, so der Künstlerkollege und studierte Kunstwissenschaftler Florian L. Arnold zu
Beginn seiner Laudatio, dann müsse das Publikum sich für den Rest des Tages frei nehmen.
Mit zahlreichen Bezügen zu (Kunst-)Geschichte und Bographie des Künstlers führte er in das
Werk des 1948 in Illertissen und in Neu-Ulm aufgewachsenen Malers, Kunstlehrers und –
dozenten ein. „Strandgut der Zeit“ finde man in den Bildern Fenkls, die einen Blick auf
verlorene Paradiese eröffnen. Paradiese freilich, die sich „nur auf den ersten, oberflächlichen
Blick“ hin als heil erweisen.
Auch in den zahlreichen neuen Arbeiten, die Fenkl im Vöhringer Kulturzentrum zeigt, bleibt
er sich treu: dank vorzüglicher Malweise in bis zu 30 Schichten hauchfeiner Ölfarbe entführt
Fenkl in ein Arkadien voll spielerischer Momente: verpackte Gegenstände, bunte Fische,
Kähne und Möbelstücke, versteckte Schätze, Leitern und mumifizierte Insekten begegnen uns
dort als Relikte der realen Welt. So ist Fenkl nicht den Surrealisten zuzuordnen. Das
zweckfreie Spiel mit skurrilen Motiven liegt ihm fern. Vielmehr gehört er zu den Architekten
„metaphysischen Landschaften“, wie sie durch Giorgio de Chirico oder Edgar Ende vertreten
wurde.

Kindheit im kriegszerstörten Neu-Ulm

Zum „Spurensucher“ wird der Betrachter gerade dann, wenn er in den Bildern Bezüge zu
Fenkls Biographie entdeckt. Der Künstler wuchs im Neu-Ulm der Nachkriegsjahre auf,
zwischen „Trümmerwüsten, einzelnen Häuser wie Mahnmalen des Krieges“, wie Arnold
ausführte. Da wurde die kriegsversehrte Stadt zu einem Abenteuerspielplatz, dessen Artefakte
– zerbrochenes Geschirr, Papier, Metall – den produktiven Maler bis heute beschäftigen und
somit auch seine Bilder prägen. Diese Erinnerungen weiß er mit altmeisterlicher,
handwerklicher Perfektion in unendlich variierte Gelb- und Grüntöne zu tauchen. Nicht
grelles Tageslicht bescheint die Fenkl-Welten. Es ist ein mit den Landschaften und
Gegenständen verschmolzenes Gegenstandslicht: von Innen heraus leuchtend.
So sind die „Fundstücke“ in der neuen Ausstellung Fenkl nicht nur auf die Objekte in den
Bildern zu beziehen, sondern auch wahre „Lebens-Fundstücke“.
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(Augsburger Allgemeine, 2008)
 

+ + + + + + + Trauer um unseren Kollegen Georg Fenkl + + + + + +

(Ikarus4)
Wir trauern um unseren Freund und Kollegen Georg Fenkl, der im April verstorben ist. Wir durften Georg als einen warmherzigen, humorvollen Menschen erleben, der mit seiner Kunst inspirierte und faszinierte. Als Genius loci seiner höchsteigenen Stilrichtung des „Phantastischen Realismus“ hat er vor Jahren schon internationales Kunstparkett erobert. Eine Karriere, die mit ersten Ausstellungen Anfang der 70er Jahre begann und unter anderem mit dem „Ersten Preis für Malerei“ auf der zehnten internationalen Art Exhibition Toronto (Kanada) sowie dem 1. Preis beim „Gesamtdeutschen Kunstpreis“ 1990 gekrönt wurde.
Georg Fenkl war ein Mensch, der sich aufrichtig und mit großer Begeisterung für die Kunst einsetzte und die Förderung junger Kollegen mit großem Elan betrieb.
1948 in Illertissen geboren wuchs Georg Fenkl in Neu-Ulm auf. Er studierte an der „Werkkunstschule Augsburg“ sowie an der Hochschule für Gestaltung Darmstadt, ferner an der PH Bayreuth. Seit 1975 ist er als Kunsterzieher an der Neu-Ulmer Zentralschule tätig. Sein reiches Wissen über Kunst und Kunsttechniken gibt er als Dozent an der „Kunstakademie Bad Reichenhall“ sowie der „Akademie Vulkaneifel“ und in der Ulmer Künstlergilde weiter. Als Dozent wirkt er außerdem an der Bayerischen Lehrer-Fortbildungsakademie Dillingen im Fachbereich Bildende Kunst / Kunsterziehung. 1985 übernahm er den Vorsitz des Sendener Kunstvereins, dessen Geschicke er bis zu seinem plötzlichen Tod im April 2015  lenkte.

Mit ihm verliert die Kunst einen seelenvollen großen Erzähler und Fabulierer.

 
 

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