Presse/Medien

Der Künstler muss die Welt mit anderen Augen sehen

 von URSULA KATHARINA BALKEN
veröffentlicht am 21. November 2009
Augsburger Allgemeine

Homo Ikarus – vier Künstler, jeder von ihnen hat seine eigene Ausdrucksform gefunden. Zum Beispiel Arnold, der mit feinsinnigem Humor und spitzer Feder seine Tuschzeichnungen auf Papier bringt. Mal ironisiert er, mal gibt er sich als Philosoph. Schonungslos geht er mit dem Homo sapiens um, verzerrt ihn – fast bis zur Absurdität. Und manchmal vertragen Zeichnungen das Prädikat „humoresk“.

Paolo Calleri zeigt kleinformatige Radierungen. Mit bemerkenswertem Talent zum Detail und scharfer Beobachtungsgabe sind seine Werke eine Mischung aus Situationsschilderung, Karikaturen und Satire. Reales vermischt sich mit Surrealem. Jede seiner Radierung erzählt eine ganze Geschichte. Aber dafür muss der Blick schon länger auf dem Bild verweilen. Es lohnt sich. Die Akkuratesse seiner Darstellungen besticht.

Max P. Häring scheint ein Multitalent zu sein. Mit aufwendiger Maltechnik schafft er Bilder, die die Fantasie beflügeln. Bunte Fantasiegestalten in diffuser Umgebung, farblich apart nuanciert, setzen Blickakzente. Aber Häring schöpft nicht nur aus seinem künstlerischen Ich, er lässt sich auch von Literatur inspirieren. Seine Freecomics sprechen eine faszinierende Sprache.

Bei Fenkl schwingt das Geheimnis immer mit

Unbestritten Star des Abends ist mit seinen surrealen Bilderwelten Georg Fenkl. Der international bekannte Künstler lässt den Betrachter in eine Traumwelt eintauchen. Aber was Fenkl-Bilder so unverwechselbar macht, sind ihre Farben und vor allem ihr Licht. Seine Landschaften haben immer den Hauch des Unwirklichen, Geheimnisvollen, was ihren besonderen Reiz ausmacht. Er schöpft bei den Farben buchstäblich aus dem Vollen. Das Bild „Ausgrabungen“ lässt im Betrachter den Wunsch aufkeimen, genauer hineinsehen zu können in die eckigen Sammelkisten der Archäologen. Georg Fenkl hat sich durch den Kunstmarkt nicht verbiegen lassen. In der inflationären Bilderschwemme der heutigen Zeit ist ein „Fenkl“ auf den ersten Blick erkennbar.

Die Einführung durch Florian L. Arnold lässt erkennen, dass der Zeichner auch mit der spitzen Feder des Schreibens umgehen kann. So wird seine Einführung fast zum Essay. Er findet wunderbare Formulierungen: „Eine Stille zu finden, die sich nicht aus Einsamkeit speist.“ Aber er sagt auch, „wenn wir vier Künstler den Ikarus als Sinnbild unserer Ausstellung bemühen, dann als Sinnbild für das Scheitern als Chance“. Da hat er wohl nicht ganz recht. Wer eine Chance wahrnimmt, scheitert nie! Er ist allenfalls erfolglos. Dass Ikarus buchstäblich vom Himmel fiel und im Meer landete, kostete ihn zwar das Leben, aber es hinderte andere Menschen nicht daran, ihre Chance zu nutzen.

Denn Fliegen zu können, war der Traum des Menschen von je her. Und er hat, wie man weiß, sich erfüllt. Die Ausstellung ist allein schon deshalb sehenswert, weil sie Kontrapunkte eines gegensätzlichen künstlerischen Schaffens bietet.

(…)

///////

 

„Stichler und Strichler“

 von Eduard Ohm

 „(…) Kenner stiften, wenn Florian L. Arnold wie mit einem gekrümmten Spiegel Physiognomien verzerrt – verwandtschaftliche Beziehungen zu Jean Ignace Grandville, dem Visionär der französischen Romantik. (…) Das Skurrile, das Groteske, das Surreale bildet den Sumpfboden, auf dem solche Orchideen üppig blühen. Verschwimmende, lyrisch-ver- haltene Farbtöne und zarte Tinten steigern indes die verführerische-zärtliche, manchmal auch melancholisch-zweifelhafte Existenz der Gestalten, denen sich immer wieder Propeller, Rädchen, Kabel, Spiralen und Antennen zugesellen – eine mit listigem Augenzwinkern formulierte Kritik an der fortschreitenden Technisierung unseres Alltags“.

(…)

///////

Spiegelbilder im Reissler-Stadel: Fantastisches zum Museumsjubiläum

 von CHRISTA KANAND
veröffentlicht in SÜDWESTPRESSE am 14. Juni 2008

 „(…) Der gemeinsame Nenner der vier Künstler [Georg Fenkl, Paolo Calleri, Florian L. Arnold und Max P. Haering] ist die altmeisterlich-virtuose Beherrschung ihres Handwerks. (…) Im Spektrum zwischen Was vordergründig heiter scheint, entpuppt sich oftmals als doppelbödig. Besonders bei Florian L. Arnold, der mit buchstäblich spitzer Feder in kolorierten Tuschfederzeichnungen Aspekte unserer Zeit karikiert. Zu seinen Fantasiegestalten zählt auch der „Kultur- Manager“, ein fetter, gefrässiger Moloch im Schneckentempo. (…) Der „Daten-Schützer“, ausgestattet mit Unmengen von Antennen auf einem globalen Berg von Zahlenreihen – immer auf Empfang!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s